Palmen: ein Baum, der Licht in Streifen schneidet
Das Blatt ist wie ein Kamm gebaut, und der Schatten sagt es weiter.
Ein Palmwedel ist kein Blätterdach. Er ist eine Reihe schmaler Klingen an einer einzigen Rippe, und das Licht geht dazwischen hindurch wie durch eine Jalousie. Wer mittags darunter steht, findet den Boden nicht verschattet, sondern gestreift; der Schatten behält die Form des Blattes, statt zu einer Pfütze zu verlaufen. Auf einer hellen Wand liest er sich fast wie eine Strichzeichnung.
Still ist dieser Baum selten. Bei einem Verschluss um 1/500 bleibt jede Klinge für sich; bei einer Viertelsekunde wird die Krone zu einem grünen Wisch, unter dem ein harter Stamm stehen bleibt. Im Gegenlicht gibt die Palme am meisten her. Von unten gegen einen hellen Himmel werden die Wedel halb durchsichtig, die Blattadern treten hervor, und die Belichtung muss näher am Himmel liegen als am Baum, sonst fällt die ganze Krone in eine Silhouette zusammen.
Die Palme schleppt viel geliehene Bedeutung mit sich. Auf einem Bildschirm steht sie für anderswo, meist für ein warmes und leicht überteuertes Anderswo. Als Hintergrundbild rettet sie ausgerechnet die Streifung: Zwischen den Klingen bleibt Platz für Symbole, und ein Bild, das fast nur Himmel ist und ein paar harte grüne Linien darüber legt, bleibt den ganzen Tag ruhig.