Alter Stein, langsames Licht
Ein Tempel besteht vor allem aus Geduld, und das Licht, das ihn quert, hat es ebenso wenig eilig.
Das Morgenlicht kommt seitlich in den Tempel. Es fasst zuerst die behauene Kante einer Stufe, bleibt dort hängen und braucht fast eine Stunde bis zur nächsten. Wer stattdessen mittags erscheint, geht mit flachen Bildern nach Hause und mit einer brauchbaren Lektion über das Warten.
Was die Kamera hier tatsächlich festhält, ist Abnutzung. Schwellen, von vier Jahrhunderten Füßen muldig getreten, ein Handlauf, blank poliert in einem Glanz, den kein Lack nachstellt, und Räucherrauch, den ein langsamer Verschluss zu stehendem Nebel verdichtet. Der Farbwortschatz bleibt absichtlich klein: Ocker, gealtertes Rot, Moos, das sich hartnäckig auf die Nordseite beschränkt.
Auf dem Bildschirm zahlt sich diese Zurückhaltung aus. Stein ist eine kontrastarme Fläche, Symbole liegen darauf, ohne zu streiten, und die Traufe zieht eine saubere Diagonale, an der sich der Bildaufbau festhält. Als Hintergrund gesetzt, liest sich der Schreibtisch ein paar Grad stiller als vorher.