Die Ecken des Bildes
Ein Objektiv leistet seine schlechteste Arbeit an den vier Stellen, auf die niemand schaut — genau dort, wo ein Hintergrundbild am längsten zu sehen ist.
Licht, das durch ein Objektiv fällt, legt bis zur Sensorecke einen längeren Weg zurück als bis zur Mitte, und es trifft schräg auf. Dieser Umweg wird in Helligkeit bezahlt, ungefähr mit der vierten Potenz des Kosinus dieses Winkels, weshalb fast jedes Bild an den Rändern schon dunkler ist, bevor jemand es anfasst. Zwei Blendenstufen abgeblendet holt das meiste zurück, den Rest korrigiert die Software meist stillschweigend.
Die Schärfe fällt auf dieselbe Weise ab, nur weniger höflich. Eine Ecke darf Details zeigen, die man in der Mitte weich nennen würde, und wirkt trotzdem in Ordnung, weil das Auge seine Zeit im Zentrum verbringt und nach außen nur kurz blickt. Über Randleistung wird gestritten wie über Höchstgeschwindigkeit, und danach werden die Ränder ohnehin weggeschnitten.
Ein Hintergrundbild dreht die Verteilung um. Die Mitte verbringt ihr Leben unter einem Fenster, sichtbar bleiben die Streifen an den Kanten und die vier Ecken, für die niemand fotografiert hat. Was dort liegt, bestimmt die Stimmung des Schreibtisches, und damit ist die Vignettierung weniger ein Fehler als ein Rahmen, den das Licht selbst gezogen hat.