Tarnung: das Bild, das sein Motiv zurückhält
Eine Eule vor Borke ist ein Bild von Borke, bis zu dem Moment, in dem sie es nicht mehr ist.
Tarnung ist der seltene Fall, in dem ein Tier darauf angelegt ist, den Streit mit dem Hintergrund zu verlieren. Borke, Kies, trockenes Gras, der Grund eines flachen Riffs: Das Muster ahmt weniger einen Ort nach, als dass es sich weigert, darin eine Form zu sein. Wer danach sucht, lernt zuerst den Lebensraum, denn das Motiv findet sich nur als kleiner Fehler in einer sonst gleichmäßigen Fläche.
Verraten wird es fast nie durch Farbe. Es ist eine Kante, die in die falsche Richtung läuft, ein Schatten, der zu nichts gehört, eine Symmetrie, die für Stein zu ordentlich ist. Die Augen sind der übliche Verräter: rund, feucht, auf einer Höhe, mit keiner noch so feinen Sprenkelung zu zerlegen — weshalb so viele Arten einen dunklen Streifen entwickelt haben, der quer darüber zieht.
Auf dem Bildschirm ist der Effekt ungewöhnlich großzügig. Ein Hintergrund, der etwas verbirgt, belohnt den zweiten Blick, ohne den ersten zu verlangen, und er bleibt unter einer Reihe Symbole ruhig, weil der größte Teil des Bildes Textur bei gewöhnlicher Arbeit ist. Am dritten Tag findet man das Tier, und danach sieht man es immer — auch das ist ein Wert.