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Federn, nah genug zum Zählen

Nah genug betrachtet hört ein Vogel auf, ein Tier zu sein, und wird zu einer Fläche, die niemand zum Anschauen entworfen hat.

Ein fliegender Vogel ist eine Silhouette, ein sitzender eine Form. Es braucht ein Teleobjektiv oder viel Geduld, bis aus beidem eine Fläche wird. Dann tritt die Farbe zurück, und Reihen erscheinen: Federn übereinandergelegt, leicht verschoben, wie Ziegel auf einem Dach, das ohne Lineal gedeckt wurde.

Näher heran wird die Ordnung noch seltsamer. Die feinen Äste haken sich in ihre Nachbarn wie ein Reißverschluss, und ein Vogel, der sich putzt, räumt nicht auf, er schließt wieder zu. Das Blau des Eichelhähers ist überhaupt kein Pigment, sondern Struktur: ein Gitter winziger Lufträume, das Licht so gleichmäßig streut, dass wir uns darauf geeinigt haben, es Farbe zu nennen. Ein paar Grad Drehung, und es verlischt — das Blau war immer nur geliehen.

Deshalb halten Federaufnahmen auf einem Bildschirm stand. Das Muster wiederholt sich, ohne sich je ganz zu wiederholen, das Auge bleibt in Bewegung und findet keine Naht. Symbole liegen darauf, ohne zu widersprechen, weil nichts im Bild darauf besteht, das Motiv zu sein. Ein Hintergrund aus tausend kleinen Entscheidungen, von denen keine uns gemeint hat.

Cherry Blossom 4K Wallpaper · nature · 3840×2560
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