Straßen und der Punkt, an dem sie keine mehr sind
Zwei Ränder, die sich am Boden nie treffen, verabreden sich im Bild.
Eine Straße ist an beiden Enden gleich breit, und keine Fotografie hat das je geglaubt. Die zwei Ränder neigen sich einander zu, bis sie sich an einer Stelle berühren, die kein Ort ist, sondern eine Abmachung, auf der das Auge besteht. Alles Übrige im Bild — Zaunpfähle, Masten, die Lücken zwischen den Bäumen — reiht sich hinter dieser Abmachung ein und wird unterwegs kürzer.
Wo der Treffpunkt liegt, entscheidet über das Benehmen des Bildes. In der Mitte wird die Straße zum Pfeil, förmlich und ein wenig fordernd. Ein Drittel nach außen gerückt, wird aus derselben Straße etwas, dem man folgen kann, statt zu gehorchen. Hebt man den Horizont, gehört das Bild dem Land; senkt man ihn, gehört es dem Himmel, und die Straße wird stillschweigend zum Streitpunkt zwischen beiden.
Nebel beendet den Streit früh. Der Punkt kommt schon nach fünfzig Metern statt nach fünf Kilometern, und die Straße hört auf, eine Entfernung zu sein, und wird zu einer Tür. Auf einem Bildschirm trägt das besser als eine weite Aussicht: Das Auge bekommt ein Ziel, erreicht es in einer Sekunde und findet dort nichts als blasse Luft.