Unscharf: was aus dem Hintergrund wird
Blende weit auf, und die Welt hinter dem Motiv hört auf, aus Dingen zu bestehen.
Eine Nahaufnahme hat zwei Hälften, und wir reden fast immer nur über eine davon. Ist die Blende weit genug offen, schrumpft die Schärfentiefe auf wenige Millimeter: die Kante eines Blütenblatts steht scharf, das Blatt dahinter wird schon weich, und alles Weitere hat leise aufgehört, ein Gegenstand zu sein.
Der Hintergrund verschwindet nicht, er wechselt den Beruf. Eine ferne Laterne wird zum Kreis, ein Zaun zu einem grünen Streifen, eine ganze Hecke flacht ab zu überlappenden Scheiben mit blassen Rändern. Man erkennt noch ungefähr, was es war, so wie man ein Wort durch Milchglas liest. Die Form dieser Kreise kommt von den Blendenlamellen, eine rein mechanische Tatsache, die am Ende aussieht wie Wetter.
Auf einem Bildschirm ist diese Aufteilung ungewöhnlich großzügig. Der scharfe Teil ist klein und leiht sich eine Sekunde Aufmerksamkeit, der Rest ist eine weiche Farbfläche, in der nichts mit einer Reihe Symbole streitet. Ein Hintergrundbild, das zu neunzig Prozent unscharf ist, ist kein halbfertiges Bild, sondern eines, das sich früh entschieden hat, wohin du schauen sollst.