Sperrbildschirm oder Schreibtisch: zwei Flächen, zwei Aufgaben
Die eine wird zwei Sekunden lang angesehen, die andere hält den ganzen Tag hinter allem aus.
Sperrbildschirm und Schreibtisch werden meist mit derselben Datei gefüllt, als wären sie dieselbe Fläche. Sie sind es nicht. Die eine sieht man etwa zwei Sekunden lang, mit einer Uhr quer darüber. Die andere wartet hinter jedem geöffneten Fenster und ist am Abend immer noch da.
Ein Sperrbildschirm verträgt ein lautes Bild: dichte Farbe, ein brennender Horizont, ein Gesicht. Gelesen wird es ohnehin nie, also übersteht es den Lärm. Was er nicht verträgt, ist ein überfülltes oberes Drittel, denn dort landen Uhrzeit und Mitteilungen, und die meisten Systeme legen über dieses Band ohnehin Unschärfe oder Abdunklung. Lass Luft, wo die Ziffern stehen, dann behält die Aufnahme unter der Überlagerung ihre Form.
Der Schreibtisch verlangt das Gegenteil. In den Ecken sitzen Symbole, in der Mitte liegen Fenster, sichtbar bleibt ein Rahmen mit einem Loch darin. Etwas Leiseres, leicht unterbelichtet, mit den Details weit weg von den Rändern, hält länger als das Bild, das man sich an die Wand hängen würde. Ein Motiv genügt für beides, wenn man es zweimal beschneidet: eine Fassung mit Platz oben und eine, die bereit ist, dahinter zu bleiben.