Streiflicht: die Kante, die leuchtet
Steht die Sonne tief und hinter dem Tier, glüht jedes Haar am Rand, während alles im Inneren dunkel bleibt.
Es geschieht nur in der letzten Stunde, wenn das Licht fast waagerecht ankommt und das Motiv streift, statt darauf zu fallen. Fell, Feder und Grassamen fangen es auf dieselbe Weise ein: eine helle Linie um einen Körper, der von sich selbst nichts mehr erzählt. Das Tier hört auf, eine Beschreibung zu sein, und wird zu einer Form mit einem Glühfaden daran.
Mit der Belichtung muss man streiten. Eine Messung über das ganze Bild will die dunkle Mitte retten und brennt dabei die Kante zu nichts aus; sinnvoll ist es, bewusst zu unterbelichten und den Körper dorthin gehen zu lassen, wohin er will. Steht man so, dass die Sonne knapp hinter dem Kopf sitzt, verdeckt von einem Ohr oder einer Schulter, bleibt der Lichtfleck draußen und die Linie unversehrt.
Ein Porträt ist das nicht und gibt auch nicht vor, eines zu sein. Die Art erkennt man an der Haltung statt am Gesicht, was öfter ausreicht als gedacht. Auf dem Bildschirm verträgt es sich gut mit einer dunklen Oberfläche, denn das meiste Bild ist ohnehin dunkel, und die eine helle Linie ist dünn genug, um mit nichts zu konkurrieren, was darüber liegt.