Das Hintergrundbild, das andere sehen
Beim Bildschirmteilen verlässt der Schreibtisch den Raum als Video, mit einem Bruchteil der Bits, die er verdient hätte.
Geteilt wird nicht der Schreibtisch, sondern ein Video davon, für einen kompletten 4K-Arbeitsplatz meist zwischen einem und drei Megabit pro Sekunde. Feine Details gibt ein Codec als Erstes auf. Ein Hintergrund aus durchleuchteten Blättern, Kies oder Sternenhimmel besteht aus Zehntausenden winziger, kontrastreicher Kanten, und der Encoder verbraucht sein Budget dort statt an dem Dokument, wegen dem das Gespräch überhaupt stattfindet.
Ruhige Bilder überstehen die Reise besser. Große glatte Flächen, wenige Kanten, ein schmaler Helligkeitsumfang: ein Verlauf, eine Wand aus Nebel, ein einziges Farbfeld komprimieren auf fast nichts und lassen die Datenrate dem Fenster, um das es geht. Dieselbe Zurückhaltung hilft auch dem Auge, weil Fensterkanten und ein wandernder Cursor vor einem Hintergrund leichter zu verfolgen sind, der nicht mithalten will. Sehr dunkel ist dabei kein Freifahrtschein, denn glatte dunkle Himmel sind genau die Stelle, an der niedrige Bitraten sichtbare Stufen hinterlassen.
Zwei Bilder zu haben, ist deshalb vernünftig. Das für die acht Stunden am Schreibtisch darf so viel erzählen, wie es will; der Besprechungs-Desktop bekommt etwas Gelasseneres, das neu kodiert, herunterskaliert und als Miniatur auf einem fremden Laptop noch besteht. In dieser Größe ist Zurückhaltung keine Bescheidenheit, sondern das Einzige, was sich überhaupt noch als Bild lesen lässt.